Rhein-Neckar-Phosphor-Recycling GmbH & Co. KG

Ausgangsbasis: Die neue Klärschlammverordnung des Bundes
Die Entsorgung von Klärschlämmen wird zukünftig deutlich teurer. Durch die neue Verordnung, die vom Bundestag im Jahr 2017 verabschiedet wurde, haben sich die Entsorgungskosten bis heute nahezu verdoppelt. Die neue Klärschlammverordnung verfolgt das nachvollziehbare Ziel, „die wertgebenden Bestandteile des Klärschlamms (Phosphor) umfassender als bisher wieder in den Ressourcen- bzw. Wertstoffkreislauf zurückzuführen und gleichzeitig die herkömmliche, bodenbezogene Klärschlammverwertung zum Zweck einer weiteren Verringerung des Schadstoffeintrags in den Boden deutlich einzuschränken“.

Auswirkungen: Finanzieller und organisatorischer Kraftakt für Städte und Gemeinden
Die neue Klärschlammverordnung bringt gravierende Veränderungen und Einschnitte für Städte, Gemeinden und kommunale Zweckverbände mit sich. Für Anlagenbetreiber von Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Ausbaugröße ab 50.000 Einwohnern bedeutet sie faktisch den Ausstieg aus der bisher praktizierten Verwertungsform. Wie genau die geforderten Modalitäten zukünftig umgesetzt werden, müssen die Anlagenbetreiber bis 2023 in einem detaillierten Konzept darlegen.

Lösungsidee: Öffentlich-öffentliche Kooperation
Die neuen gesetzlichen Vorgaben sind zugleich die Ausgangsbasis für eine clevere und naheliegende Idee: die Kläranlagenbetreiber im Rhein-Neckar-Kreis schließen sich zusammen. Derzeit ist jede Kommune noch selbst dafür verantwortlich, ihr Abwasser zu klären, entweder in Form eines Abwasserzweckverbandes oder als kommunaler Eigenbetrieb. 

Bereits 2016 hat der Rhein-Neckar-Kreis das Thema Phosphor-Recycling in seine strategischen Ziele aufgenommen und die kreiseigene Tochtergesellschaft AVR UmweltService GmbH mit der Erarbeitung eines entsprechenden Konzeptes beauftragt. Im Juli 2018 erfolgte der Kreistagsbeschluss, sich der Thematik „Koordination der Entsorgung von Klärschlämmen und Phosphor-Recycling“ anzunehmen. In seiner Sitzung vom Dezember 2019 hat das Gremium dann offiziell grünes Licht für die Beteiligung des Rhein-Neckar-Kreises an einer öffentlich-öffentlichen Kommanditgesellschaft gegeben.

Interkommunale Gesellschaft: Rhein-Neckar-Phosphor-Recycling GmbH & Co. KG
Mit der „Rhein-Neckar-Phosphor-Recycling GmbH & Co. KG“ entsteht jetzt ein starker Auftraggeber, der zukünftig mittels europaweiter Bündelausschreibungen für die sichere Verwertung und Entsorgung von Klärschlämmen deutliche bessere Konditionen erzielen kann als die einzelne Kommune oder der einzelne Zweckverband. Eine weitere Aufgabe der „Rhein-Neckar-Phosphor-Recycling GmbH & Co. KG“ ist es, die der Gesellschaft angeschlossenen Kläranlagenbetreiber in allen fachlichen und technischen Belangen zu beraten und zu unterstützen, um die neue Klärschlammverordnung zeitnah und gesetzeskonform umzusetzen. Aktuell haben die zuständigen Gremien von 13 Kläranlagenbetreibern ihre Beteiligung an der „Rhein-Neckar-Phosphor-Recycling GmbH & Co. KG“ offiziell beschlossen. In Summe fallen in diesen Kläranlagen mehr als 30.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr an.

Koordinator und Wegbereiter: AVR UmweltService Verwaltungs GmbH
Im zweiten Halbjahr 2019 koordinierte die AVR UmweltService Verwaltungs GmbH als vorübergehend mit den Amtsgeschäften beauftragter Dienstleister erstmals die europaweite Klärschlamm-Bündelausschreibung für das Entsorgungsjahr 2020. Die Entsorgungsleistungen wurden für insgesamt sieben Kläranlagen einheitlich ausgeschrieben, Verwertungs- und Logistikleistungen mit eingeschlossen. Der erzielte Verwertungspreis lag deutlich unter den bisherigen Konditionen einzelner Anlagenbetreiber. Das erfolgreiche Ergebnis bestätigt eindrucksvoll die Zielsetzung des gemeinsamen Vorhabens.

Langfristig und nachhaltig: Phosphor-Recycling als Ressource
Phosphor findet als Ausgangsstoff in der Chemie und Lebensmittelchemie, insbesondere aber auch in der Landwirtschaft als Dünger Verwendung. Als natürlicher Rohstoff ist Phosphor allerdings endlich und kommt nur in wenigen Herkunftsländern vor. Deutschland ist daher nahezu vollständig von Importen abhängig. Da die Klärschlämme große Mengen an Phosphor enthalten, kann zukünftig mit der Rückgewinnung des Rohstoffes ein bedeutender Anteil des nationalen Bedarfes gedeckt und die Abhängigkeiten entsprechend reduziert werden.

Phosphor-Recycling im Rhein-Neckar-Kreis

"Die betreffenden Kommunen wurden von Beginn an partnerschaftlich mit eingebunden und im Vorfeld ausführlich über das geplante Vorhaben, die Idee einer gemeinsamen Unternehmung und die zahlreichen Vorteile informiert", sagt der Sinsheimer Oberbürgermeister Jörg Albrecht stellvertretend für die Kläranlagenbetreiber im Rhein-Neckar-Kreis.

v.l.n.r.: Andreas Uhler, Werkleiter Stadtwerke Sinsheim; Oberbürgermeister Jörg Albrecht; Thomas Brümmer, Geschäftsführer AVR UmweltService Verwaltungs GmbH; Tobias Schutz, Dezernatsleiter Planung, Bau, Infrastruktur Stadt Sinsheim

Rhein-Neckar-Phosphor-Recycling GmbH & Co. KG

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